Programm und Programmplanung

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Botta, Rebecca; Jungnickel, Patricia; Krause, Björn; Lahme, Susanne; Taseski, Alexander (2006)


"Planung ohne Ausführung ist meistens nutzlos - Ausführung ohne Planung ist meistens fatal." - Willy Meurer

Thema dieses Tools ist das Programm bzw. die Programmplanung in der allgemeinen und der betrieblichen Weiterbildung. Unter Programm versteht man die Gesamtheit der Leistungen die von einer Weiterbildungsinstitution angeboten bzw. durchgeführt wird. Den Schwerpunkt bildet ein Überblick über den Programmplanungsprozess in der Weiterbildung. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Punkten Angebotsstrategien, Planungsphasen, Planung des einzelnen Angebots und der Darstellung des Programms. Aufgrund der verwendeten Literatur beziehen sich die hier besprochenen Punkte vornehmlich auf die allgemeine Weiterbildung. Sie lassen sich jedoch zum Teil auch auf die betriebliche Weiterbildung übertragen. Als letzter Punkt wird dann noch etwas genauer auf Aspekte in der betrieblichen Weiterbildung eingegangen.


Die verwendeten Inhalte sind vornehmlich aus Schriften von Erhard Schlutz und Peter Pawlowsky entnommen, und sind teilweise sehr nahe an der Vorlage (siehe 'Literatur').


Inhaltsverzeichnis

Das Programm

Das fertige Programm ist das Endprodukt der Programmplanung einer Bildungseinrichtung und enthält sämtliche Angebote für einen Arbeitsabschnitt (z.B. Semester). Das Programm repräsentiert die Einrichtung nach außen und stellt eine Leistungsverpflichtung dar. Es dient einerseits dazu, Nachfrage im Hinblick auf Weiterbildung zu wecken, und andererseits, bestehende Nachfrage bzw. den ermittelten Bedarf zu decken.

In der allgemeinen Weiterbildung erscheint es meist in Form eines Programmheftes und soll potentielle Interessenten zur Teilnahme anregen.

Für den Inhalt des Programms sind verschiedene Einflussfaktoren von Bedeutung. Beispielsweise: Profil der Einrichtung, Finanzierung der Einrichtung (profit/non-profit), eventuelle ideologische Intention des Trägers der Einrichtung, usw..


Der Programmplanungsprozess

Angebotsstrategien

Grundsätzlich gibt es zunächst einmal die Überlegung, ob man agiert (Überlegungen darüber was angeboten werden kann und auf Resonanz stossen könnte) oder man reagiert (Eingehen auf ermittelten Bedarf). Daraus leiten sich in der Programmentwicklung zwei unterschiedliche Angebotsstrategien ab:

1. angebotsorientiert

2. nachfrageorientiert

Genaueres über die beiden unterschiedlichen Angebotsstrategien findet man in den eigenen Artikel Bildungsbedarfsanalyse bzw. Angebotsstrategien.





Planungsphasen

Hier unterscheidet man drei Planungsphasen: Rahmenplanung, Grobplanung und Feinplanung


Während die Rahmenplanung außerhalb des eigentlichen Prozesses der Programmplanung steht, bilden Grobplanung, Feinplanung, Programmveröffentlichung und -werbung, Programmrealisierung und Programmauswertung (Evaluation) den Zyklus der Programmarbeit. So fließt die Evaluation des vorherigen Arbeitsabschnitts (z.B. Semester) in die Grobplanung für den nächsten Arbeitsschritt ein.


Rahmenplanung

Die Rahmenplanung gibt die eigentlichen Rahmenbedingungen vor, in der die Programmplanung abläuft. Hier müssen verschiedene Punkte geklärt werden wie beispielsweise: Veränderungen in der Gesetzeslage oder bei der Finanzierung, Überprüfung der Bildungsziele und Programmleitlinien, mittelfristige Ausrichtung der Angebotspolitik und der Programmstrategien und das Schaffen neuer Kapazitäten. Dieser Teil der Planung hat einen längerfristigen Einfluss auf die Arbeit einer Einrichtung. Die Rahmenplanung findet nicht in festen Zeiträumen oder Abständen statt, sondern nach Bedarf.

Grobplanung

Die Grobplanung bildet die Voraussetzung für die Feinplanung. Hier müssen alle Entscheidungen soweit gefällt werden, dass die einzelnen Fachbereiche in der darauf folgenden Feinplanung autonom arbeiten können. Den Einstieg in die Grobplanung bildet meist eine Gesamtkonferenz. Es werden Vorstellungen und Maßgaben für die weitere Planung der einzelnen Abteilungen festgelegt und somit ein Rahmen für Kursumfang und Ressourcen geschaffen. Für die Planungen in der Grobplanungsphase werden auch die Rahmenplanung und die Evaluation vorheriger Arbeitsschritte (z.B. Semester) miteinbezogen.

Feinplanung

Die Feinplanung findet in den einzelnen Fachbereichen statt. Zunächst werden alle weitergeführten und neuen Angebote inhaltlich geprüft. Nach Abschluss dieser Prüfung geht es an die Komplettierung und Festlegung von Raum, Zeit, Dozent, Finanzierung, Teilnehmerbegrenzungen, Ausschreibungen im Programm usw.. Des Weiteren empfiehlt sich als letzte Prüfungsinstanz für mögliche neue Angebote eine Gesamtkonferenz, in der die Fachsbereichsleiter ihre neuen Angebote vorstellen, um "den fachlichen Scheuklappen" entgegenzuwirken und schwer realisierbare Angebote auszusortieren. Trotz weitgehender Autonomie der einzelnen Fachbereiche in dieser Planungsphase ist gerade hier die Kooperation in Hinblick auf Raumverteilung usw. von großer Bedeutung.





Planung des einzelnen Angebots

Die Planung des einzelnen Angebots ist der Arbeitsschwerpunkt in der Feinplanung.

Dieser Prozess gliedert sich in folgende Elemente:


Ansätze und Ideen

Zunächst stellt sich die Frage wie man zu Ideen für neue Angebote kommt.

Zur Ideenfindung werden unterschiedliche Strategien angewandt. Ein Beispiel für solche Strategien ist das Schneeballprinzip. Dieses wird beispielsweise angewandt, wenn ein neuer Fachbereich geschaffen werden soll und die Mitarbeiter hier bislang keine Erfahrung haben. Hier werden probeweise Angebote geschaltet; die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Kontakte führen zu neuen Anstößen und helfen auch aufgetretene Fehler beim nächsten Mal zu vermeiden. Andere Varianten um Ideen zu finden sind Teilnehmer-/ Absolventenbefragung, Dozenteninitiativen, Trendanalysen, Auswertung von Beratungskontakten, sowie die Auswertung fremder Programme.



Veranstaltungskonzept

Die Anfertigung eines Konzepts dient verschiedenen Punkten, wie z. B.: der Überprüfung der Umsetzbarkeit, der Grobsteuerung der Veranstaltung, als Leitfaden für mögliche Auswertung und als Legitimation/ Qualifikation gegenüber Dritten. Der Umfang des Konzepts ist von der Dauer und dem Aufwand der geplanten Veranstaltung abhängig. Das Konzept sollte außerdem Fragen zu Punkten beantworten wie: Titel und Untertitel, Zielgruppen, Verwendung des Gelernten, Lernziele, Inhalt, Methoden, Medien, usw.

Weitere Informationen: Gliederung der Angebotskonzeption



Auswahl- und Entscheidungskriterien

Fragen, die sich bei der Auswahl eines Angebots stellen sind beispielsweise: Ist das Veranstaltungskonzept tragfähig? Lässt sich ein geeigneter Dozent für die Veranstaltung finden, der nicht den finanziellen Rahmen sprengt? Stimmt das Angebot mit den Bildungszielen überein, bzw. stellt es einen Gewinn für das Programmprofil dar? Gibt es einen nachgewiesenen oder zumindest unterstellbaren Bedarf für das Angebot? Desweiteren können die Daten der Bildungsbedarfsanalyse und der Evaluation ausschlaggebend für die Entscheidung für ein Angebot sein.



Realisierungsvoraussetzungen

Hierbei geht es um die organisatorische Absicherung des Angebots. Empfehlenswert wäre zu diesen Zwecken das Anlegen eines Datensatzes (EDV- Programm) mit folgenden Punkten: Titel, Veranstaltungsform, Dozent, Zeiten, Stundenumfang sowie Geräte, Medien, Teilnehmerzahlen und Kostenkalkulation. Die zeitliche Ansetzung der Veranstaltung sollte je nach Zielgruppe abgestimmt werden (z.B. Programme für Berufstätige: abends, wochenends). Es sollte auf eine einheitliche Preispolitik geachtet werden, d.h. sie sollte für den potentiellen Teilnehmer nachvollziehbar sein.

Siehe auch: Datensatz einer Veranstaltung



Darstellung des Programms

Inhalt und Form der einzelnen Angebote sind die wichtigsten Punkte bei der Darstellung des Programms. Die Ausschreibung sollte verschiedene Kriterien beinhalten: die Relevanz des Themas, Begründung der möglichen Verwendbarkeit, die zu erbringenden Leistungen der Einrichtung bzw. der Teilnehmer. Der Artikel soll werbend und einladend wirken. Außerdem sollte es über die organisatorischen Modalitäten der Beteiligung informieren.


Der Artikel besteht in der Regel aus Titel, Erläuterungstext und den organisatorischen Hinweisen ( Kurs- und Anmeldenummer, Name der Lehrkraft, Beginn- und Enddatum, Wochentage, Veranstaltungszeit, Veranstaltungsort, Entgelt...). Der Inhalt sollte auf die wichtigsten Punkte reduziert werden, da in der Regel nur ein begrenztes Platzangebot besteht.

Siehe auch: Organisatorische Ankündigungshinweise

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Gestaltung des Programms sind die Transparenz und die Suchqualitäten (klare Gliederung im Inhaltsverzeichnis, nachvollziehbare Bündelung in verwandte Gruppen, Register...). Des weiteren ist ein gut sichtbarer Verweis, wo man weitere Informationen finden kann, sinnvoll.




Programm- und Angebotsplanung in der betrieblichen Weiterbildung

Die Programmplanung im Umfeld von betrieblicher Weiterbildung erfolgt grundsätzlich nach den selben Prinzipien wie die der allgemeinen Weiterbildung. Auch in einem Betrieb gilt es, für eine angedachte Weiterqualifizierung von Mitarbeitern ein greifbares Programm zu entwickeln, innerhalb dessen zielgerichtetes Lernen gestaltet werden kann.

Die spezifische Aufgabe, die Bildung im Betrieb einnimmt, die Rolle von Unternehmensstrategie, die Rahmenbedingungen des ständigen Wettbewerbs sind nur erste Einflussgrößen, warum Programm- und Angebotsplanung in der betrieblichen Weiterbildung eigene Varianten aufweist.

Beispiel

Im folgenden Beispiel soll versucht werden einen möglichen Weg zu skizzieren wie man in der allgemeinen Weiterbildung auf Ideen für neue Angebote kommt, und diese organisatorisch absichert, um sie in ein neues Programmheft übernehmen zu können. In diesem Beispiel finden nicht alle oben genannten Schritte und Instrumente, die es im Bereich Programm und Programmplanung gibt, auch Verwendung. Dies ist jedoch in der Praxis üblich, da jede Institution bzw. jeder Fachbereichsleiter auch über eigene Methoden verfügt.


Ich bin Fachbereichsleiter für die Angebotssparte "Kultur und Gestalten" an einer kleinstädtischen Volkshochschule im ländlichen Raum. Zur Zeit steht die Erarbeitung des Programms für das nächste Semester ganz oben auf der Tagesordnung. Wir befinden uns also in der Phase der Grobplanung. Das Gerüst des Angebots meines Fachbereichs steht bereits ( Weiterführung alter Angebote, Angebote die auf Dozenteninitiativen beruhen, usw.), jedoch sind noch Kapazitäten frei, und ich entscheide mich, noch weitere Angebote in meinen Programmbereich aufzunehmen. Mit der Frage, wie komme ich zu neuen Angeboten, also der Ideenfindung, gehe ich über in die Phase der Feinplanung. Bei der Ideenfindung entscheide ich mich schließlich für eine relativ unaufwändige Strategie: der Auswertung von Programmen anderer Bildungsanbieter. Anstelle also selbst ein Angebot zu konzipieren und einen geeigneten Dozenten dafür zu finden, picke ich mir interessante Angebote heraus und habe gleich den anbietenden Dozenten dazu. Bei meiner Recherche in fremden Programmen bin ich auf den Kurs "Airbrush - Malen mit der Spritzpistole" aufmerksam geworden und bin der Meinung, dieses Angebot könnte auch in unserem Programm auf Resonanz stoßen. Ich kontaktiere also den Dozenten, der den Kurs bei der anderen Institution anbietet und erfrage, ob Interesse besteht und welche Referenzen er auf diesem Gebiet vorzuweisen hat. Verläuft dies zu beiderseitiger Zufriedenheit, werden Punkte wie Honorar, Teilnehmerzahlen, benötigte Räumlichkeiten und Medien, Termine usw., sowie ein passender Ausschreibungstext geklärt. Der Nächste Schritt besteht darin, diese Daten in einem Datensatz als Kursbogen und in einem EDV-Programm festzuhalten. Stehen alle benötigten Mittel zur Verfügung steht der Ausschreibung im Programmheft nichts mehr im Wege.

Einen anderen Weg, um ein Programm zu komplettieren, stellen die aus einer Bildungsbedarfsanalyse resultierenden Angebote dar.

Literatur

  • Schlutz, Erhard: Programm- und Angebotsplanung. In: Grundlagen der Weiterbildung - Praxishilfen. Hrsg.: Grundlagen der Weiterbildung e.V. Neuwied, Kriftel, Berlin: Luchterhand Verlag, 2001
  • Pawlowski, Peter; Bäumer, Jens: Betriebliche Weiterbildung - Management von Qualifikation und Wissen. München: C.H. Becksche Verlagsbuchhandlung, 1996. S.127 - 16
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